Elisabeth Flühmann (1851–1929) - Eine Kämpferin für Frauenrechte
Elisabeth Flühmann wurde 1851 in eine Familie hineingeboren, die schwere Schicksals- schläge erlitt. Besonders hart traf sie eine Lawine im Jahr 1844, die das Zuhause ihrer Familie im Innerfeld in Saxeten zerstörte. Ihre Eltern samt ihren schulpflichtigen Kindern mussten das Dorf verlassen und sie liessen sich in Krattigen nieder, kurz bevor Elisabeth
zur Welt kam.
Schon als junges Mädchen zeigte Elisabeth wenig Interesse an den Gesprächen ihrer Altersgenossinnen. Stattdessen begleitete sie ihren Bruder auf Jagdausflügen in die Berge. Ihre Lehrer erkannten früh ihr Talent und ermutigten sie, Lehrerin zu werden. 1867 trat sie in die Höhere Mädchenschule in Bern ein. Bereits 1870 schloss sie die Ausbildung als Lehrerin ab. Im gleichen Jahr wurde die 19-Jährige in Wengen angestellt, wo sie vier Jahre blieb. Im Wintersemester 1874/75 war sie an der philosophischen Fakultät der Universität Zürich immatrikuliert.
1877 wurde sie als Deutschlehrerin an das neu gegründete griechische Lehrerinnenseminar in Serres im osmanischen Makedonien berufen. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz erhielt sie 1880 eine Anstellung am Lehrerinnenseminar Aarau, der Vorläuferorganisation der heutigen Neuen Kantonsschule Aarau. Dort unterrichtete sie Geschichte, Kirchengeschichte, Geographie, Turnen und Italienisch. Sie wurde sowohl von ihrem Kollegium als auch von ihren Schülerinnen sehr geschätzt.
Ihr Einsatz für Frauenrechte
Elisabeth Flühmann erkannte früh die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen,
besonders im Berufsleben. So erhielt sie ihre Stelle in Aarau, weil sie als Frau ein Drittel weniger Lohn forderte als ihr männlicher Konkurrent. Doch sie wollte diese Ungerechtigkeit nicht hinnehmen. 1888 spielte sie eine zentrale Rolle bei der Gründung des Vereins Aargauischer Lehrerinnen und war Mitinitiatorin des schweizerischen Lehrerinnenheims in Bern.
Ihr grösster Erfolg kam 1901: Dank ihres Einsatzes wurden Lehrerinnen und Lehrer im Kanton Aargau endlich gleich bezahlt. Sie setzte sich zudem für Frauenbildung ein und gründete wichtige Organisationen, darunter den Schweizerischen Lehrerinnenverein und
den Aargauischen Verband für Frauenbildung und Frauenfragen, aus dem später die Frauenzentrale Aargau entstand.
Die Stimme der Frauenbewegung
Nach ihrer Pensionierung im Jahr 1915 intensivierte Flühmann ihr Engagement in der Frauenbewegung. Sie war eine der treibenden Kräfte in der aargauischen Frauenstimm-rechtskampagne von 1919, in der 7.000 Menschen eine Petition unter-zeichneten. Zudem verfasste sie zahlreiche Publikationen zum Frauenstimmrecht. Auch das erste „Schweizer Frauenblatt“, eine Wochenzeitung für Frauenanliegen, wurde unter ihrer Mitwirkung veröffentlicht.
Elisabeth Flühmann war bekannt für ihre scharfsinnigen und ironischen Artikel. In einem ihrer Texte kritisierte sie die damalige Geschlechterordnung mit den Worten:
„Er ist der Mensch, sie ihm beigegeben; er ist für den Staat und für sich da, sie für den Mann. Der Mann ist Selbstleuchter, eine Sonne, die Frau seine Trabantin, der Mond.“
Diese mutige Haltung brachte ihr Bewunderung, aber auch Widerstand ein. Dennoch liess sie sich nicht entmutigen. Sie war mit Frauenrechtlerinnen in ganz Europa vernetzt und wusste, dass der Wandel möglich war.
Ein Vermächtnis für die Frauenbewegung
1928 erlebte sie noch den Protestmarsch der Frauen an der ersten Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit (Saffa) in Bern. Ein Jahr später, im März 1929, verstarb Elisabeth Flühmann – kinderlos und unverheiratet, denn damals mussten Lehrerinnen ihren Beruf aufgeben, wenn sie heirateten.
Dank ihres unermüdlichen Einsatzes wurde sie zu einer Vorreiterin für Frauenrechte in der Schweiz. Ihr Vermächtnis lebt bis heute weiter.
Das Haus im Innerfeld (Nr.133), steht heute nicht mehr. Um 1800 Geisshausmatte oder Kreuzermatte genannt. Erbauer: um 1660 Jakob Flühmann 1625-1691 & Margaritha Stähli 1630* (Erste Flühmann in Saxeten.)
(Quelle: E. Bergmann)

