Johannes Ritschard (1845-1908) – Ein bedeutender Berner Staatsmann
Herkunft und Familie Johannes Ritschard wurde am 10. Januar 1845 in Saxeten geboren. Sein Vater, Friedrich Ritschard, verlor bereits als Kleinkind beide Eltern und kam als verwaister Knabe in die Obhut des Schulmeisters Heinrich Seematter nach Saxeten. Dort wuchs er auf, wurde Bergbauer und heiratete Susanna Seematter, die Tochter seiner Pflegeeltern.
Das Paar hatte zwei Söhne:
- Johann Friedrich (1843–1914) wurde später Hotelier und Gemeindepräsident in Meiringen.
- Johannes, dessen enge Verbindung zur Bildung seinen späteren Werdegang prägte.
Bildung und beruflicher Werdegang Nach der Schulzeit in Saxeten besuchte Ritschard die Kantonsschulen in Bern und Pruntrut. Von 1864 bis 1869 studierte er Rechtswissenschaften in Bern, Giessen und Berlin. Anschliessend arbeitete er als Anwalt in Interlaken (1870–1873), Thun (1887–1891) und Bern (1891–1893). Er heiratete Margarita Widmer, die Tochter des Baumeisters Fritz Widmer.
Politische Laufbahn
Ritschard begann seine politische Karriere früh:
- Grosser Rat: 1871–1873, 1883–1893 (Präsident 1885–1886 und 1892–1893)
- Regierungsrat: 1873–1878, 1893–1908 (Vorsteher des Erziehungswesens sowie des Armen- und Kirchenwesens)
- Ständerat: 1895–1903
- Nationalrat: 1873–1883, 1903–1908
Als Regierungsrat leitete er zunächst das Erziehungswesen und später das Armen- und Kirchenwesen. Er setzte sich besonders für soziale Reformen ein und war massgeblich an der Gestaltung des Primarschulgesetzes von 1894 sowie des Armengesetzes von 1897 beteiligt.
Ein Leben für das Volk Ritschard war ein Staatsmann mit aussergewöhnlicher Weitsicht. Er buhlte nicht um Popularität, sondern hatte stets das Wohl des Volkes im Blick. Seine Reden waren inspirierend, sein politischer Einsatz unermüdlich. Seine letzte grosse politische Arbeit war die Verbesserung der Lehrergehälter – ein Zeichen seiner lebenslangen Verbundenheit mit dem Bildungswesen.
Vermächtnis Johannes Ritschard verstarb am 26. Oktober 1908 in Bern im Alter von 63 Jahren. Mit
ihm verlor die Schweiz einen ihrer fähigsten und engagiertesten Politiker. Seine Verdienste, insbesondere im Schul- und Sozialwesen, bleiben unvergessen.
Originaltext von Johannes Ritschard
(Quelle: E. Bergmann)

